Peter Pan

Peter Pan war einer unserer Stammkunden beim Stichkontrollpersonal im Regionalverkehr. Peter Pan war sein Übername beim Zugpersonal. Jeder kannte ihn. Vorwiegend aus schlechten Erfahrungen. Ein Billett hatte er nie und zudem hatte er einen so starken Körpergeruch, dass man ihn im ganzen Wagen roch.

Was er aber hatte war eine gültige Adresse und immer eine neue Ausrede, was ihn am Kauf eines Billettes gehindert hatte. Dabei übertraf er sich immer wieder.

Eines Tages sass er mit Neoprenanzug und Schwimmflossen im Zug. Ich kam zu ihm und fragte nach einem Ausweis. «Ich habe keinen dabei. Bin auf dem Weg an die ETH und habe ein wichtiges Referat. Ich war ein bisschen im Stress.» Alles klar. Name und Adresse war mir natürlich längst bekannt.

Kurze Zeit später traf ich ihn wieder an. Diesmal in einigermassen normaler Kleidung. Er habe gute Neuigkeiten, sagte er. «Ich habe eine Million Franken im Lotto gewonnen.» Ich gratulierte ihm und machte ihn auf seine zahlreichen Bussen aufmerksam. «Die kann ich nicht bezahlen. Das Geld brauche ich für meine Kinder und meine dritte Säule. Tut mir leid.» Es hätte mich auch überrascht hätte er hier keine Ausrede bereit gehabt.

Seit meinem Abgang aus der Stichkontrolle habe ich von Peter Pan nichts mehr gehört. Ob er noch immer an der ETH Referate im Neoprenanzug hält oder seine Milliönchen zählt weiss ich leider nicht.

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