Wenn kleine Dinge, Grosses bewirken

Ich war noch in der Ausbildung, als ich im Ereignismanagement am Bahnhof Olten tätig war. Ich beobachtete den laufenden Bahnbetrieb und stand unseren Kunden auf dem Perron bei Störungen zur Verfügung.

Es war ein ruhiger Freitag, im April 2016. Ich hatte einen Abenddienst. Kurz vor 15 Uhr machte ich mich auf den Weg in die Pause. Noch bevor ich die Tür aus unserem Büro öffnete, schreckte ein Kollege auf: „Nein! Personenunfall in Schönenwerd!“ Der Super-Gau!

Ich schnappte mir eine gelbe Weste und stand kurze Zeit später mit Funk und Schreibblock ausgerüstet auf dem Perron. Vor mir bereits hunderte Kunden, welche ungeduldig auf weitere Informationen hofften. „Was ist jetzt schon wieder los!“, „Wie komme ich nach Zürich?“ Ein Kunde schlug in seiner Wut gar mit der Faust auf ein Abfahrtsplakat ein. Kurz: Es herrschte pures Chaos. Zwischen Olten und Aarau ging während gut vier Stunden gar nichts mehr. Der einzige Weg um von Olten bzw. Bern nach Zürich zu gelangen, war der Reiseweg via Basel.

Ich hatte eigentlich tierischen Hunger. Doch das war in dieser Situation zweitrangig. Das Adrenalin in mir drin, liess mich meinen Hunger vorerst vergessen. Ich wurde beauftragt, am Bushof für Informationen zu sorgen. Die Strecke Olten-Aarau war während des Unterbruchs nur mit Bahnersatzbussen zu bewältigen. An einem Freitagabend, zur besten Pendlerzeit.

Ich übertreibe nicht, wenn ich sage, dass ich zwischenzeitlich tausende Kunden vor mir hatte, die eigentlich nur in ihr Wochenende verschwinden wollten. Ich musste all diesen beibringen, dass lediglich drei Busse im Shuttlebetrieb zwischen Olten und Aarau unterwegs waren. Die Busbetriebe in der Region konnten zu dieser Zeit verständlicherweise nicht mehr Busse zur Verfügung stellen. Kaum war einer der Busse angekommen, ging der Kampf ums vermeintliche Überleben los. Ich mittendrin.

Rund drei Stunden ging das so, ehe ich ein erstes Mal eine kurze Trinkpause einlegen konnte. Noch war die Strecke nicht freigegeben, doch immerhin die Lage annähernd unter Kontrolle.

Ich machte mich kurze Zeit später, wieder auf den Weg zum Bushof. Da meldete sich bei mir eine ältere Dame: „Ich vertrieb mir die Zeit des Unterbruchs in der Oltner Altstadt und habe ihnen eine Kleinigkeit mitgebracht. Danke tausend für ihren Einsatz!“ Die Dame überreichte mir einen Schoggikäfer. Gefüllt mit Pralinen aus einer Oltner Confiserie.

Ich war unglaublich gerührt. Was für eine Geste! Ich bedankte mich bei der Dame für ihre Geduld und ihre Grosszügigkeit. Die Störung war wohl das Heftigste, was ich bislang in meiner Zeit bei der Bahn erlebt habe. Doch der Schoggikäfer bis heute das Schönste. Leider überlebte er nicht lange und viel kurze Zeit später meinem Hunger zum Opfer. Dennoch hatte es für ein Erinnerungsfoto gereicht. Siehe oben 🙂

Vielleicht liest die Dame ja zufällig diesen Text. Ich möchte die Chance nicht verpassen, noch einmal DANKE zu sagen. Menschen wie Sie motivieren mich bei meiner täglichen Arbeit und sind der Grund, wieso ich meinen Job so gerne ausführe. Danke vöu vöu mou!

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