Kommunikationsprobleme

Bei meiner täglichen Arbeit auf dem Zug treffe ich auf Fahrgäste aus der ganzen Welt. Die Schweiz ist ein Hotspot für Touristen. Die Kommunikation zwischen Fahrgast und Zugpersonal wird dabei oft in Englisch geführt. Die Weltsprache beherrschen die meisten der ausländischen Gästen. Ein kleiner Prozentsatz spricht lieber Französisch, einige auch Italienisch. In ganz seltenen Fällen können sich Touristen nur in ihrer eigenen Landessprache ausdrücken. Oft ist dies bei Menschen aus dem asiatischen oder arabischen Raum der Fall.

So auch bei einer türkischen Familie, die mit mir von Basel nach Zürich gereist war. Bereits beim Einsteigen in Basel probierte der Familienvater mir sein Anliegen zu schildern. Ohne Erfolg. Nach der Abfahrt begab ich mich zur Familie. Der Vater konnte mir einige Wörter auf Deutsch und Englisch weitergeben. „Koffer, Polizei, Zürich“

Das Problem lag offenbar beim Gepäck. Ich öffnete „Google-Translate“ und probierte so, mehr über das Problem der Familie herauszufinden. „Haben Sie einen Koffer verloren?“, fragte ich. Der Vater schütelte den Kopf. Er nahm mein Handy und probierte es ebenfalls mittels Google-Translate. Da er nicht schreiben konnte, musste er alles mittels Spracheingabe aufnehmen. Eine tolle Funktion, die aber offensichtlich nicht reibungslos funktionierte.

„Gehen Zürich, Kollegen holen Koffer, Polizei, machen“, spuckte der Übersetzungsdienst aus. Ich hatte echt keine Ahnung, was mir der Mann sagen wollte. Ich fragte mal nach den Fahrausweisen und erhoffte so einen weiteren Hinweis zu bekommen. Die Familie wies zwei ganze und zwei halbe Tickets nach Zürich vor. Das brachte mich auch nicht viel weiter. Einzig wusste ich nun, dass die Familie sicher bis Zürich mit mir mitfahren würde.

Wir probierten noch einige Male mit Google der Lösung näher zu kommen. Es resultierten Sätze wie: „Machen Zürich gehen Koffer geben sein.“ oder „Warum sein ist machen Koffer geben Zürich“. Ich meldete mich beim Zugchef und fragte nach, ob er womöglich einen türkischsprechenden Kunden kontrolliert hatte. Er verneinte und auch in meinem Zugteil konnte niemand gefunden werden.

Bis Zürich kamen wir keinen Schritt weiter. Die Familie war mittlerweile offensichtlich verzweifelt. Ich empfahl ihnen in Zürich nach türkischsprechenden Leuten Ausschau zu halten. Der Vater schüttelte wiederholt den Kopf, wohl weil er die Übersetzung wiederum nicht verstanden hatte. Ich probierte der Familie zu erklären, dass ich ihr nicht weiter helfen konnte. Sie wollten aber auch dies nicht verstehen. Schlussendlich brachte ich sie zum Polizeiposten der Stadtpolizei. Schliesslich viel das Wort Polizei mehrmals in unseren Übersetzungsversuchen. Der Vater schien nicht wirklich zufrieden zu sein mit der Lösung. Die Polizistin nahm sich dem Problem aber mit viel Geduld an.

Es war bislang das einzige Mal, dass ich aufgrund von Kommunikationsproblemen jemandem nicht weiterhelfen konnte. Ich spreche Deutsch, Französisch, Englisch und ein wenig Italienisch. All das hat mir in diesem Fall genau gar nichts gebracht. Bis heute weiss ich leider nicht wie die Geschichte ausgegangen ist.

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