Stellwerkstörung im Orient Express

Es ist jedem Zugbegleiter eine Ehre, wenn er den weltberühmten Orient-Express begleiten darf. Die Strecke von Venedig nach Calais führt auch durch die Schweiz. Von Buchs über Zürich nach Basel. Auch ich hatte schon mehrere Male die Ehre an Bord für das Fahrdienstliche verantwortlich zu sein.

Die letzte Fahrt werde ich aber so schnell nicht vergessen. Aufgrund einer Baustelle in Österreich fuhr der „Lämplizug“, wie er vom Zugpersonal liebevoll genannt wird, via St. Margrethen in die Schweiz. Pünktlich nahm ich ihn in der Ostschweiz in Empfang. Die Reise ging wie geplant über Zürich nach Basel, wobei im Zürcher Hauptbahnhof ein Lokwechsel geplant war.

Im Zug war die Stimmung ausgelassen. In edlen Anzügen genossen die Gäste die ruhige Fahrt. Mit Cüpli wurde auf das Abenteuer angestossen. Gegen 22 Uhr, kurz vor Einfahrt in Zürich, legten sich die ersten Gäste aufs Ohr. Die prunkvollen Kabinen sollen schliesslich ausgiebig genutzt werden.

Der Lokwechsel und die anschliessende Bremsprobe ging unspektakulär über die Bühne. Wir standen pünktlich bereit zur Weiterfahrt nach Basel. Da ertönte im Zug eine Durchsage:

„Information zum Bahnverkehr: Die Störung im Bahnhof Wetzikon konnte behoben werden. Es ist weiterhin mit Verspätungen zu rechnen.“

Der Super-Gau! Die Info-Spezialisten im Operation-Center hatten tatsächlich eine Durchsage geschaltet, um die Reisenden im „Lämplizug“ spätabends um halb zwölf über eine Störung im Zürcher S-Bahn Verkehr zu informieren. Diese Durchsagen wären eigentlich für die S-Bahn Züge gedacht. Ein Fehler beim Programmieren schloss den Orient-Express da aber ein.

Der französische Zugchef des Orient-Express war ausser sich. „Der Lokführer weckt mit seinen verdammten Durchsagen den ganzen Zug auf! Diese Leute haben tausende von Euros in diese Fahrt investiert. TAUSENDE! Ich bringe den Lokführer jetzt eigenhändig dazu, mit diesem Schwachsinn aufzuhören!“

Ich musste dem aufgebrachten Franzosen – auf Französisch – erklären, wie dieses Malheur passieren konnte. Im Zug waren wir machtlos. Die Durchsagen können nicht einfach so ausgeschaltet werden. Einzige Möglichkeit, wäre das Abtrennen eines bestimmten Kabels zwischen der Lok und dem ersten Wagen. Da wir aber bereits auf voller Fahrt waren, war dies bereits zu spät.

Es blieb uns nichts anderes übrig, als diese ganzen Durchsagen über uns ergehen zu lassen. In regelmässigen Abständen ertönte die Stimme wieder, bis wir den Raum Zürich verlassen hatten. Etwa sechs Mal ging das ganze wieder von vorne los.

Vorbei war es also mit der gemütlichen Fahrt im „Lämplizug“. War ich froh, als wir eine gute Stunde später Basel erreichten und ein Zugbegleiter der SNCF für mich übernahm. Quelle malheuer!

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