Zu viel Alkohol

Zugegeben: Reisende vom Autosalon sind

nicht gerade meine Lieblingskunden. Oft sind es Leute die nur für diese eine Reise im Jahr nach Genf den Zug benutzen (sieheGeschichte «Nörgler»). Oder es sind solche die aus der Reise eine regelrechte Partyfahrt machen.

Sie waren zu fünft unterwegs. Im

geschlossenen Speisewagen genossen sie ihre letzte Packung Bier, ehe sie in Laufen
ausstiegen. Die Stimmung war unter dem
Alkohol feuchtfröhlich. Bis zum Ausstieg im besagten Laufen.

Da stand eine kleine Frau – Mitte vierzig – auf der anderen Seite der Türe. Einer der

alkoholisierten Männer hatte das Bedürfnis diese eingehend zu umarmen. Die Frau schrie, der Mann machte weiter. Ich stieg als letzter aus und wies den Mann zurecht. Sofort fühlte dieser sich angegriffen. «Was wotsch eigentlich?» Mit breiter Brust lehnte er sich gegen mich.

«Dr gschiider git noh, dr Esel blibt stoh», sagt ein bekanntes Sprichwort: Ich stieg ein und schloss die Tür. Ich und die Frau waren in Sicherheit. Alles andere war mir in diesem Moment ziemlich egal. Erst da merkte ich, um wen es sich bei der Frau eigentlich gehandelt hatte. Es war meine ehemalige Schlagzeuglehrerin! Vor einigen Jahren erkrankte sie an Brustkrebs. Ist mittlerweile geheilt, kämpft aber noch mit Nachwirkungen. So auch an jenem Abend. «Ich schreie normalerweise nicht so. Als Frau ist man sich sowas ja gewohnt.» Ich schluckte leer. «Seit gestern habe ich einen schmerzhaften Ausschlag am Arm. Eine Nachwirkung der Chemo», erzählte sie mir. Nachwirkungen gibt’s eben nicht nur
beim Alkohol.

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