Vom antiken Rom bis an die malerische Küste: Italien in vier Tagen

Zugegeben: Italien hat mehr zu bieten, als dass vier Tage reichen würden, um das ganze Land zu erkunden. An einem verlängerten Wochenende ist aber mehr möglich, als man denkt. Ein Erfahrungsbericht.

Vorbereitung

Zu zweit erkundeten wir den Mittelmeer-Staat über ein verlängertes Wochenende (Mittwochabend bis Sonntag). Dazu reisten wir mittels Interrail-Pass (Länder-Pass Italien ab 105€). Hinzu kamen Sitzplatzreservationen, welche im italienischen Fernverkehr obligatorisch sind (ab 3€, je nach Verbindung). Diese sind bequem über die Interrail-Website buchbar und können im Zug problemlos digital (via PDF) vorgewiesen werden.

Geheimtipp: Am bequemsten reist es sich mit wenig Gepäck. Wir reisten je mit einem Rucksack. Tagsüber nutzten wir einen Jutebeutel, welchen wir ganz einfach im Rucksack verstauen konnten, wenn wir ihn nicht brauchten.

Tag -1: Von Zürich HB nach Roma Tiburtina

Kurz nach Feierabend bestiegen den Eurocity 323 am Zürcher Hauptbahnhof (Abfahrt 17.33 Uhr). Im Speisewagen lancierten wir unsere Reise bei Cappellacci und Thai Curry. In nur drei Stunden und 17 Minuten verbindet der SBB „Giruno“ die Limmat-Stadt mit der norditalienischen Metropole. Stressig wurde die Fahrt nur ein einziges Mal. Da wir den Bahnhof Milano Centrale ganze sechs Minuten zu früh erreichten, waren unsere Toilettengänge noch nicht abgeschlossen.

In Mailand blieb mehr als eine Stunde Zeit um vom Bahnhof Centrale zum Bahnhof Porta Garibaldi zu gelangen. Zu Fuss ist die Strecke einfach in gut einer halben Stunde zu machen. Die Metro (Linie 2) braucht dafür schlanke vier Minuten (Metro-Ticket nicht vergessen!).

Am Bahnhof Garibaldi hiess es warten. Der Intercity Notte (ICN) 797 (Abfahrt 22:13 Uhr) hatte sich zwischen Turin und Mailand bereits 50 Minuten Verspätung eingefahren. Zu vorgeschrittener Stunde waren auch bereits sämtliche Geschäfte und Café‘s des Bahnhofes geschlossen. Kam hinzu, dass das Abfahrtgleis erst kurz vor Ankunft des Zuges bekannt gegeben wurde.

Kaum war es dann soweit, bannten sich etliche Reisende kofferschleppend zum Bahnsteig. Der ICN fuhr ein und die Suche nach dem richtigen Abteil begann. Unser Schlafwagenabteil erwartete uns mit frischer Bettwäsche, einem kleinen Welcome-Kit (mit Handseife und Erfrischungstuch) und einigen Flaschen Mineralwasser. Kaum kontrollierte der Zugbegleiter die Tickets (Reservation Schlafwagen inkl. Frühstück 80€) kehrte auch schon Ruhe ein und die nächtliche Fahrt nach Rom nahm ihren Lauf.

Unser Schlafwagen-Abteil bei der Ankunft in Roma Tiburtina. Hätten wir etwas mehr Zeit gehabt, hätte es auch für etwas mehr Ordnung im Abteil gereicht. SORRY 😉

Geheimtipp: Wer genügend Zeit hat, wählt besser einen etwas frühere Verbindung ab Zürich (oder anderswo in der Schweiz). Der einstündige Aufenthalt in Mailand reicht zwar normalerweise für den Transfer zwischen den beiden Bahnhöfen. Dennoch soll die Reise ja nicht schon vor dem ersten Tag voller Stress und Anspannung sein.

Tag 1: Rom in 24 Stunden

Ganze 45 Minuten Verspätung konnte unser Nachtzug zwischen Mailand und Rom aufholen. Fast Pünktlich um kurz vor sechs Uhr erreichten wir den Bahnhof Tiburtina etwas ausserhalb von Rom. Die Nacht war kurz (und dank der aufgeholten Verspätung noch kürzer). Da kam der Espresso zum Frühstück gerade recht. Dazu gab es Italien-typische Croissants (zuckersüss) und Zwieback. Die zwei Packungen Salzgebäck packten wir als Proviant in unseren Rucksack.

Den Transfer zum Hotel in der Nähe des Hauptbahnhofes Termini unternahmen wir per Metro. Im Hotel Generator profitierten wir als Interrail-Touristen von 20% Rabatt auf die Übernachtung und konnten erst noch unser Gepäck in den frühen Morgenstunden in Schliessfächer (5€ pro 24h) verstauen.

Unser Rom-Tag startete mit dem Besuch des Trevi-Brunnens. Bereits kurz vor acht Uhr war da einiges los. Erste Touristen Influencer posierten am berühmten Brunnen und gar ein Brautpaar setzte sich prominent in Szene. Ob es sich nur um eine inszenierte Trauung handelte, konnte nicht abschliessend beurteilt werden.

Über den Quirinalspalast gelangten wir zum bekannten Pantheon, welches für seine grosse Kuppel bekannt ist. Den Besuch sparten wir uns, stattdessen beobachteten wir das Geschehen vom Kaffee aus. Ein Cappuccino und salzige Omelette stärkten uns für die kommenden Stunden. Zunächst stand eine Visite des Altare della Patria (Denkmal Vittorio Emanuele II) auf dem Programm. Das pompöse Konstrukt ist alleine aufgrund seiner stattlichen Grösse ein Blick wert.

Der „Altare della Patria“ – das Nationaldenkmal Italiens.

Der Nachmittag stand im Zeichen des antiken Roms. Das Forum Romanum mit seinen unzähligen Schätzen bildet die perfekte Überleitung zum Besuch des Römer Wahrzeichens: Das Kolosseum. Tickets für das Forum sowie das Kolosseum kauften wir bequem via die App „Get Your Guide“ (inkl. 10% Interrail-Rabatt).

Gegen Abend begaben wir uns dann zum Vatikan. Während der Petersplatz durchgehend besuchbar ist, schliesst der Petersdom seine Tore um 19 Uhr. Als wir uns kurz vor 17 Uhr zum Security-Check beim Eingang zum Petersdom begaben, war keine Warteschlange mehr vorhanden. So hatten wir längst genügend Zeit um den Kleinststaat gebührend zu erkunden. Aufgepasst: Der Einlass in den Petersdom ist nur mit „bescheidener Kleidung und mit bedeckter Haut“ möglich. Heisst konkret: Keine kurzen Hosen, keine ärmellosen oder tief ausgeschnittene Oberteile. Beim Einlass werden Besucher:innen, welche dagegen verstossen weggewiesen. Alternativ wird ein blauer Umgang beim Eingang abgegeben.

Den strengen Tag in Rom beendeten wir mit einem Drink an der hoteleigenen Rooftop-Bar. Voller Eindrücke und mit ziemlich müden Beinen fielen wir abends ins Bett.

Geheimtipp: Schnell und effizient in Rom vorwärts kommen: Für einen 24-stündigen Aufenthalt in Rom eignet sich die 24h-Karte (7€). Erhältlich an jedem Metro-Ticketautomaten und gültig für Metro und Bus.

Tag 2: Im Intercity zum schiefen Turm

In der Buchung im Hotel Generator war ein Rooftop-Frühstück inkludiert. Mit Blick auf den Bahnhof Termini starteten wir in unseren zweiten (gefühlt dritten) Tag in Bella Italia. Nur wenige Schritte vom Hotel aus ging es im Intercity 510 (Abfahrt 09.57 Uhr) in Richtung Norden. Nächster Halt war Pisa.

Drei Stunden benötigt der Intercity von Trenitalia (Sitzplatzreservierung obligatorisch) für die Strecke. Die Züge überzeugen dank viel Platz, grosszügigen Tischen und Steckdosen an den Fensterplätzen (kein WLAN, kein Bordrestaurant). Die Fahrt dem Meer entlang bietet zudem einen schönen Ausblick. Ein Glück, wenn die Sitzplatzreservation einem auch Plätze auf der richtigen Seite rausspuckt. In unserem Fall hatten wir leider Pech.

In Pisa angekommen schlenderten wir durch die Gassen der Studentenstadt (fast 50% der Einwohner:innen studieren hier). Nach einem Mittagessen besuchten wir die Piazza dei Miracoli. Bekannt für den Dom und natürlich den schiefen Glockenturm. Wir wollten nicht zu viel Zeit verlieren und begaben uns einige Fotos später zum Bahnhof Pisa San Rossore, welcher nur etwa zehn Gehminuten vom Wahrzeichen der Stadt entfernt liegt.

Verschwitzt und ausser Atem erreichten wir den Vorortbahnhof. Hätten wir gewusst, dass unser Regionalzug 40 Minuten Verspätung auf dem Buckel hat, hätten wir wohl kaum so gestresst und uns noch Gelati gegönnt. Sei’s drum: Der harte Bahnsteigboden und der Fahrtwind der durchfahrenden Güterzüge liessen Stress und Schweiss schnell vergessen.

Im überfüllten aber wunderbar klimatisierten Regionalzug fuhren wir unserem Etappenziel La Spezia entgegen. In der Hafenstadt liessen wir uns im Hotel Corallo nieder. Dieses ist vom Hafen und der Meerpromenade aus schnell und einfach zu Fuss erreichbar (vom/zum Bahnhof per Bus oder ca. 30min zu Fuss).

Geheimtipp: Ticketautomaten an Bushaltestellen sind Mangelware. In den meisten italienischen Städten sind ÖV-Tickets über die App „DropTicket“ buchbar (gilt zumindest für Rom, La Spezia und Genua). Einmal die Kreditkarte hinterlegen und der Ticketkauf ist kinderleicht.

Tag 3: Über Stock und Stein im Nationalpark Cinque Terre

Wer kennt sie nicht: Die farbigen Fassaden der Küstendörfer im italienischen Nationalpark Cinque Terre. Wer meint, hier einen Geheimtipp entdeckt zu haben täuscht sich gewaltig. Dank Instagram, TikTok und Co. sind die kleinen Dörfer heute weltweit bekannt und ziehen entsprechend Massen an. Wer sich aber darauf einstellt und die nötige Portion Ruhe und Gelassenheit mitbringt, kann auch heute noch einen eindrücklichen Tag in Cinque Terre erleben. Und das im positiven Sinne.

Die Regionalzüge verkehren der Küste entlang im 30 Minuten Takt. Wir brachen kurz vor 10 Uhr am Bahnhof La Spezia Centrale zur Reise auf. Da die Züge in La Spezia starten, macht es Sinn, genügend früh am Bahnhof zu sein. So ist ein Sitzplatz auf der Meerseite (Fahrtrichtung links) schon fast garantiert.

Wir starteten unsere Tour in Monterosso. Von da aus führt ein gebührenpflichtiger Wanderweg (7.50€ p.P.) nach Vernazza, dem wohl bekanntesten Ort der Region auf Social Media. Die gut zweistündige Wanderung führte über hohe und anstrengende Treppenstufen, enge Wege und eindrückliche Aussichtspunkte der Küste entlang. Vor dem Einstieg in den Wanderweg wird man von einem Carabinieri gemustert. Unsere sportlichen Schuhe und gutschweizerische Wanderausrüstung (hierzulande würde man belächelt dafür) entsprachen offenbar den Anforderungen und ein freundliches „Prego“ des Gendarm gab uns den Weg frei. Zig Warnhinweise raten zuvor übrigens vor Wanderungen in Flipflops ab. Wohl oder übel eine Nebenwirkung dieses Massentourismus.

Wer seinen Handyspeicherplatz nicht bereits zuvor mit Fotos und Videos der Reise vollgestopft hat, wird dies spätestens beim Blick auf das Dörfchen Vernazza tun. Da wo alle diese Instagram und TikTok-Inhalte entstehen, werden die Menschen zu Tieren. Zäune werden niedergetrampelt, Ellbogen werden ausgefahren und auf die Privatsphäre der Einheimischen wird kaum Rücksicht genommen. Alleine darum waren es uns die 7.50€ wert. Es bleibt zu hoffen, dass sie auch am richtigen Ort investiert werden.

Hier muss man Menschen mögen: Cinque Terre ist längst kein Geheimtipp mehr. Exemplarisch das Foto aus den engen Gassen von Vernazza.

Auch mit Ruhe und vor allem Anstand gelangen uns wunderschöne Bilder. Und sind wir ehrlich: Eindruck entsteht erst dann, wenn man den Moment auch einfach geniesst. In Vernazza besteht ein grosses Angebot an Gastronomiebetrieben. Nach einem lockeren Mittagessen gingen wir zurück zum Bahnhof. Mit dem Regionalzug erkundeten wir auch die anderen Dörfer an der Küste. Die Gelati gab’s in Manarola und den Cappuccino in Riomaggiore, ehe wir nach La Spezia zurückkehrten.

Geheimtipp: Die Züge in Fahrtrichtung La Spezia -> Levanto sind meist stärker ausgelastet. Es lohnt sich morgens direkt nach Monterosso, am anderen Ende des Nationalparks zu fahren. So kann man sich gemütlich zurück nach La Spezia arbeiten und geniesst erst noch deutlich mehr Platz in den Zügen.

Tag 4: Über Genua zurück nach Hause

Unseren letzten Tag starteten wir wiederum am Bahnhof La Spezia Centrale. Der Frecciargento der Trenitalia (Abfahrt 09.39 Uhr) brachte uns nach Genua. Dabei erhaschten wir nochmals einige Blicke auf die Küstendörfer der Cinque Terre. Da die Strecke aber vorwiegend aus Tunnels besteht hielten sich die Eindrücke in Grenzen und auch die Mobilfunkabdeckung liess zu wünschen übrig. In weiser Vorahnung sorgten wir aber vor und luden uns die digitalen Ausgaben der Tageszeitungen bereits vorgängig auf unsere Geräte.

(Noch) Eindrücklicher wird die Fahrt dann ab Levanto, wo sich die Tunnels mindern und die Schiffe auf dem Meer grösser und wuchtiger werden. Kurz vor Genua sind dann die ersten Kreuzfahrtdampfer und Containerriesen zu sehen. Unsere Fahrt unterbrachen wir vorerst in Genova Brignole, von wo aus wir zu Fuss in die Innenstadt Genuas gelangten.

Sehenswert ist vorwiegend die Via Garibaldi (UNESCO Weltkulturerbe) sowie die prächtigen Schiffe im Hafen der Handelsstadt Genua. Der Blick in den von Wasserriesen zugeparkte Hafen liess uns die Haare zu Berge stehen. So viel Massentourismus und Umweltbelastung an einem Ort sind schwer zu verdauen und wirken irgendwie surreal.

Die Heimreise traten wir dann ab dem Bahnhof Piazza Principe an. Täglich verbindet ein Direktzug die ligurische Hauptstadt mit Zürich (Abfahrt jeweils 16.12 Uhr, Ankunft in Zürich HB um 21.27 Uhr). Wir wollten uns die Rückreise planerisch offenlassen und spekulierten auf eine Last-Minute Reservierung, was leider nicht klappte (ausgebucht). So führte unsere Rückfahrt in die Schweiz über einen Zwischenstopp in Mailand und eine Fahrt im RegioExpress zurück ins Tessin. Da blieb dann auch genügend Zeit, um die anstrengende Reise und all die gemachten Eindrücke zu verdauen.

Geheimtipp: Wer am Bahnhof Milano Centrale hunger kriegt findet sich schnell in den zahlreichen Take-Away Ständen wieder. Meine ganz persönliche Alternative: Das Café Panzera unweit des Bahnhofs. Das Familienunternehmen (seit 1931) bietet alle Speisen auch zum Mitnehmen an. Ein kleiner Fussmarsch (ca. 200m vom Hauptausgang) und eine Prise Geduld und man geniesst auf der Fahrt in die Schweiz ein leckeres Risotto milanese.

Weitere Eindrücke und Zahlen der Reise:

Du findest die erwähnten Adressen und Sehenswürdigkeiten auf meinem Tripadvisor-Profil. Du hast Fragen oder eigene Erfahrungen, die du gerne teilen möchtest? Die Kommentarspalte steht dir offen 😉

Quelle: Screenshot Interrail Rail Planer App

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